21 Vom Loch zum Objektiv

Am Anfang war ein Loch. Angeblich in einem Vorhang, es sorgte dafür, dass die Ansicht von Draußen, am Kopf stehend auf eine Wand projiziert wurde. Später, als Maler die Camera-Obscura als Zeichenhilfe einsetzten, war es eine Linse, die ihnen die Vorlagen lieferte. Lange noch bevor die Fotografie – also die Schaffung von Bildern auf chemischem Weg – erfunden wurde, entstanden die ersten Objektive. Eine Kombination von zwei und mehr Linsen.

Wurden diese Linsen anfänglich aus demselben Glas, wie es auch für Fensterscheiben verwendet wurde, gefertigt, hat sich im Laufe des 20. Jh. recht viel getan. Im Zuge intensiver Forschung standen zunehmend mehr und mehr Spezial-Gläser, für die Fertigung von Linsen und somit den Bau von immer besseren Objektiven, bereit. Extrem "hochbrechende" Gläser – die auch Brillenträger besonders schätzen – waren nur ein Ergebnis der intensiven Forschung. Auch die Entwicklung von Gläsern mit "anormaler Teildispersion" – sie schaffen die Voraussetzung für die Verringerung der störenden Farbsäume in Bildern – war ein wichtiger Schritt.

Erfolgte die Berechnung von Objektiven – also der passende Mix aus mehreren Linsen mit unterschiedlichen Krümmungen und Glassorten – einst quasi von Hand, übernahmen diese Aufgabe nach und nach Computer. Je größer die Rechenleistung, umso mehr Varianten konnten in kurzer Zeit erstellt werden. Das beste, errechnete Ergebnis, schafft die Grundlage für die Serienreife eines neuen Objektivs.

Und es gibt noch einen Meilenstein am Weg zu immer besseren Objektiven. Die Entwicklung der preisgünstigen Serienfertigung von "Asphärischen Linsen", in den letzten Jahrzehnten. Auf Grund all dieser technischen Voraussetzungen, kann mittlerweile kein Objektiv-Hersteller – gleich ob Kameraproduzent oder reiner Optikfertiger – auf ein Höchstmaß an Qualität verzichten. Da bestechen zum Beispiel Zoom-Objektive, selbst solche mit großen Bereich, eine Leistung, von der man vor Jahren nicht einmal träumen konnte. Zum anderen kommen besonders lichtstarke Festbrennweiten auf den Markt, deren Auflösung locker mit den 40, 50 und bald noch mehr Pixelmillionen der Kameras, Schritt halten kann.

Auch wenn so manches, seit langem lieb gewonnenes Objektiv weiterhin seinen Dienst versieht – abgesehen von immer schnelleren Autofokus-Motoren und Bildstabilisator – die "Neuen" leisten einfach mehr.